Inklusion (lateinisch inclusio, "der Einschluss")
"Eine inklusive Schulkultur wird getragen von dem
Vertrauen in die Entwicklungskräfte aller Beteiligten und dem Wunsch,
niemanden je zu beschämen."
Ines Boban und Andreas Hinz
Die
inklusive Pädagogik beruht auf der Vielfalt (Diversität) in Bildung und
Erziehung. Sie entwickelte sich aus der integrativen Pädagogik. Während
diese Kinder mit Förderbedarf lediglich mit einbinden will, betont die
inklusive Pädagogik die Gleichberechtigung und Gemeinsamkeit aller der
Schülerinnen und Schüler.
Das Konzept der Inklusion versteht
die Verschiedenheit (Heterogenität) der Schülerinnen und Schüler als
Selbstverständlichkeit und begrüßt sie ausdrücklich. Inklusion
berücksichtigt zahlreiche Dimensionen von Heterogenität: geistige oder
körperliche Möglichkeiten und Einschränkungen, soziale Herkunft,
Geschlechterrollen, kulturelle, sprachliche und ethnische Hintergründe,
sexuelle Orientierung, politische oder religiöse Überzeugung. Im
Gegensatz dazu unterscheidet die klassische Pädagogik lediglich
zwischen ausgewählten lernrelevanten Merkmalen wie Begabung, Alter oder
Behinderung/Nichtbehinderung.
Der pädagogische Ansatz der Integration geht von zwei Gruppen von Kindern aus: Kinde

r
mit und ohne Behinderung, Kinder mit und ohne speziellen Förderbedarf.
Die Inklusion dagegen sieht keine Gruppen, sondern lediglich Kinder und
Jugendliche, die zusammen die Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler
bilden.
Alle
diese Kinder und Jugendlichen haben Bedürfnisse. Viele davon werden von
der Mehrheit empfunden und sind damit gemeinsame Erziehungs- und
Bildungsbedürfnisse. Alle Schülerinnen und Schüler haben darüber hinaus
aber auch individuelle Bedürfnisse. Eine Schule mit inklusiver
Pädagogik will den Bedürfnissen aller Schülerinnen und Schüler gerecht
werden.
Die integrative Pädagogik strebt die Eingliederung
(Integration) benachteiligter Schüler in die Hauptgruppe an. Die
inklusive Pädagogik dagegen möchte eine Antwort auf die gesamte
Vielfalt der Kinder und Jugendlichen sein. Inklusion fordert damit mehr
als lediglich Toleranz. Sie schätzt die Verschiedenheit und sieht sie
als Bereicherung an. Jede Schülerin und jeder Schüler gilt als
gleichberechtigtes Mitglied der Gemeinschaft, unabhängig von seinen
Fähigkeiten. Eine Schule mit Schwerpunkt Inklusion ist entsprechend
offen für alle und kommt den unterschiedlichen Bedürfnissen entgegen.
Die
Entwicklung zur Inklusion ist ein Prozess. Der Weg zu einer inklusiven
Kultur verläuft über das Erleben und Erlernen inklusiver Werte wie
Mitwirkung Teilhabe (Partizipation), Anerkennung und Wertschätzung von
Vielfalt, Gleichberechtigung, Verantwortungsbewusstsein,
Nachhaltigkeit, Fairness und Hilfsbereitschaft. Die Entwicklung
gemeinsamer Werte nimmt in einer Schule mit Schwerpunkt Inklusion einen
eben so wichtigen Stellenwert ein wie die Leistungsentwicklung der
Schülerinnen und Schüler.